von Benjamin Franz-
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Extravagante Wohnraumlösungen

"Wohnst du noch oder lebst du viel- leicht schon?" Gegen Tristesse, Lan- geweile und Einheitsdesign á la Plat- tenbau machte sich der KUNSTbe- TRIEB stark. Junge Bauherren mit kreativen, farbenfrohen und zweck- mäßigen Lösungen bauen Nistkäs- ten, schlüsselfertige in zwei Tagen.

„Ah... ein Hotel? Klar, warum nicht.“ , sagt Andi Dünne als er Pia Hiendl- maier über die Schulter schaut. Das 12jährige Mädel aus Ascha hat ihr Bauprojekt bereits grob aufs Papier

 
grade oder schief
     
gebracht. Der Chef der Kinder- und Jugendkunstschule erklärt ihr nun, wie sie das Bauwerk in den kommen- den zwei Tagen umsetzten kann. Ka- tharina Plötz, Moriz Fuchs und Se- bastian Jucht planen auch ganz ei- gene Vogelbehausungen. Natürlich gibt es Grenzen, wie Material, Statik oder einfach die begrenzte Bauzeit, doch hier im KUNSTbeTRIEB sollen die Kinder ihre kreative Energie mö- glichst frei entfalten können.

Der 9jährige Moriz steht an der Band- säge und schneidet Seitenteile zu- recht. Mit Maschinen zu arbeiten, die richtig Lärm machen, ist für die Kin- dern natürlich besonders interessant. Dabei bringen sie ein ungeheueres Maß an Konzentration auf, wie es in Mathe-, Deutsch- oder Lateinunter- richt wohl eher selten vorkommen dürfte. Am Anfang halfen Tanja und Andi Dünne noch beim hantieren mit den nicht ungefährlichen Maschinen. Wenn dann das erste Brett von ei- gener Hand durchtrennt oder durch- bohrt ist, schwillt selbstbewusst die kindliche Handwerkerbrust. Schrau- ben, hämmern, messen, sägen, boh- ren oder schleifen, nach und nach nehmen die Bauten Gestalt an. „Andi,

 

 
kommst du mal?“ Sei es ein Nagel, der krumm ins Holz getrieben wurde, oder ein Konstruktionsproblem, das sich plötzlich offenbart, der Betriebs- leiter hat alle Hände voll zu tun. „Acht Kinder haben sich für diesen Kurs ge- meldet, ich hab die Gruppen geteilt und einen Ersatztermin mit den an- deren vereinbart. So können wir die Qualität unserer Veranstaltung hoch- halten.“, erklärt er, „und dem einzel- nen Teilnehmer mehr Zeit widmen.“

Alle Bauherren können nach der er- sten Einheit auf einen imposanten Rohbau blicken. Doppelhausvariante, Bungalow, herrschaftliches Turman- wesen oder das Vogelhotel, trotz des eigenwilligen Designs wird auch auf Funktionalität gepocht. So läst sich zum Beispiel jede Behausung später öffnen, um nach dem Rechten zu sehen, oder die Hinterlassenschaften von unverschämten Mietnomaden zu entsorgen. Außenanlagen und Fas- sadengestaltung stehen am darauf folgenden Tag auf der Agenda. Kathi denkt zum Beispiel an ein Futterde- pot für die potentiellen Mieter. „Made in Bayern“ Sebastian befestigt ein weißblaues Gütesiegel über der Pfor- te seines Nistkastens. Heimatlose

 

 
Vögel, die vorübergehend ein Dach über dem Kopf suchen, finden Dank Pias Bettenburg „ZWITSCHER“ kos- tengünstig Unterkunft. Moriz macht sich Gedanken über die Farbkombi- nation seiner Doppelhaus-Anlage, da- mit später ein Vogelmann nicht aus Versehen im fremden Nest landet. Obwohl Andi Dünne gedeckte Far- ben empfohlen hat, ist die reichliche Auswahl im KUNSTbeTRIEB zu ver- lockend für die Kinder.

Als die Eltern zum Abholen kommen sind alle noch fleißig am pinseln. Ob die Bauherren für die extravaganten Wohnraumlösungen mit steigenden Mieteinahmen rechnen können wird sich zeigen. Sicher ist, schon bevor der erste Krokus blüht, kommt Farbe in den Garten.